Gehört dir das Geld auf der Bank?

Gehört dir das Geld auf der Bank?

Liegen deine hart erarbeiteten Ersparnisse auch auf dem Bankkonto?

Glaubst du auch, dass das Geld auf der Bank dir gehört?

Dann ist der Artikel für dich genau richtig und du solltest dir die Zeit nehmen, diesen Artikel aufmerksam zu lesen.

Um es vorweg zu nehmen: rechtlich gesehen gehört das Geld auf dem Bankkonto deiner Bank.

Denn was viele nicht wissen:

Mit Einzahlung eines Geldbetrags auf das Bankkonto gewährst du deiner Bank einen Kredit.

 Geld auf der Bank
Wenn du Geld auf dein Konto einzahlst, leihst du es deiner Bank.
Es entsteht ein Gläubiger-Schuldner-Verhältnis.

Ja, du hast richtig gelesen:

Wenn du bei der Bank beispielsweise 100 EUR einzahlst, leihst du deiner Bank 100 EUR. Somit wirst du zum Gläubiger deiner Bank.

Nachdem die Bank das Geld entgegengenommen hat, wird sie zum Schuldner über deine eingezahlten 100 EUR.

Dadurch entsteht ein sog. Gläubiger-Schuldner-Verhältnis, wenn du einen Geldbetrag auf dein Konto einzahlst.

Mir ist völlig bewusst:

Die breite Mehrheit glaubt, dass „ihr Geld“ bei der Bank sicher aufgehoben ist. Schließlich zahlt die Bank das Guthaben jederzeit wieder aus – es liegt doch auf dem Konto.
Doch dieser Glaube hält der Realität nicht Stand – insbesondere dann nicht, wenn die Bank in Schieflage gerät.

Bestes Beispiel:

Im März 2013 wurde am Höhepunkt der Finanzkrise in Zypern erkennbar, dass selbst einfache Sparer mit ihren Einlagen nicht vor einer Beteiligung an Maßnahmen zur Banken- oder Staatsrettung sicher sind.

Um die Finanzkrise in Zypern zu lösen, ist die zweitgrößte Bank Zyperns, die Laiki Bank, abgewickelt und von der Bank of Cyprus (größte Bank Zyperns) übernommen worden.

Kunden der Laiki Bank verloren ihre kompletten Ersparnisse jenseits des Betrags von 100.000 EUR.

Sparer, die bei der Bank of Cyprus ein Guthaben von mehr als 100.000 EUR angespart hatten, mussten ebenfalls drastische Einschnitte in Kauf nehmen: ihr Vermögen über 100.000 EUR wurde zu etwa 60 % in Bankaktien umgewandelt, die anderen 40 % wurden eingefroren.

So kamen einige Milliarden Euro zusammen. Damit war Zypern gerettet, jedoch die Sparer um ihr Vermögen gebracht.

Die meisten EU-Politiker heben gerne hervor, die Finanzkrise in Zypern wäre lediglich ein Einzelfall. Die Bankenrettung in Zypern sei keinesfalls eine Blaupause für künftige Finanzkrisen in anderen Ländern.

Jedoch auf Drängen der europäischen Finanzminister wurde exakt dieses Vorgehen (der Bankenrettung in Zypern) in europäisches Recht ausgestaltet:

Die Beteiligung von Gläubigern (also auch der Sparer!) ist ein Kernelement der am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen Abwicklungsrichtlinie von Pleite-Banken (EU-Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten, kurz: BRRD).

Diese Richtlinie wurde mit der Maßgabe verabschiedet, diese bis 1. Januar 2016 in nationales Recht umzusetzen.

Die EU-Richtlinie BRRD legt eine sog. Haftungskaskade für den Fall fest, wenn eine Bank in Not gerät:

Aktionäre, Anleihe-Gläubiger und vermögende Sparer sollen zunächst einspringen, um die Bank zu retten: sie sollen mit ihrem Vermögen haften und auf ihre Anteile bzw. ihre Forderungen gegenüber der Bank in einem gewissen Ausmaß verzichten.

Im Falle der erneuten Banken- oder Finanzkrise (und dies ist meiner Meinung nach keine Frage des „ob“, sondern lediglich eine Frage des „wann“) kann es durchaus sein, dass du mit deinen hart erwirtschafteten Ersparnissen – zumindest über 100.000 EUR – haftest. Im Ernstfall wird dein Guthaben für die Rettung deiner Bank herangezogen, sofern sie wirtschaftlich in Not gerät.

Offiziell sind Vermögen unter 100.000 EUR vor Zugriffen sicher. Doch alle darüber hinausgehenden Ersparnisse geraten in einer solchen Krisensituation in Gefahr – und zwar nicht nur in der Theorie.

Was will die Politik damit erreichen?

In der Finanzkrise 2008/2009 wurden die Banken überwiegend mit Steuergeldern gerettet und somit am Leben erhalten.

Als Reaktion hierauf haben viele Staaten Regelungen erlassen, um ausfallgefährdete Banken geordnet abzuwickeln: allerdings soll dies in Zukunft möglichst ohne den Einsatz von Steuergeldern geschehen.

Künftig soll zunächst das Vermögen der Aktionäre, Anleihe-Gläubiger und vermögenden Sparer für die Rettung einer betroffenen Bank herangezogen werden.

Mit der EU-Bankenabwicklungsrichtlinie wurde nun das Risiko weg vom Steuerzahler – hin auf die Anteilseigner und Gläubiger (also auch Sparer!) einer Bank übertragen.

Den meisten Sparern ist gar nicht bewusst, dass sie nun selbst mit ihren eignen Ersparnissen haften, sofern es zu einer erneuten Finanzkrise im Bankensektor kommt.

Sei dir also genau bewusst, was es bedeutet, wenn sich die EU-Finanzminister dafür aussprechen, bei der nächsten Bankenrettung alle Gläubiger zu beteiligen (also die Aktionäre, Anleihe-Gläubiger und vermögenden Sparer einer Bank).

Offensichtlich gehen sie davon aus, dass es irgendwann (früher oder später) eine nächste Bankenkrise geben wird.

Ab wann gehört mir das Geld wieder?

Ich musste auch erst „umdenken“: das Geld „gehört“ dir erst dann wieder, wenn du es von deinem Konto abhebst.

Dazu musst du das Geld am Bank-Schalter entgegennehmen oder es dir am Geld-Automaten ausbezahlen lassen.

Bargeld
Wenn du das Geld vom Konto abhebst, gehört es dir wieder.

Davor ist es Eigentum der Bank. Wie schon oben beschrieben, hast du es der Bank zu einem günstigen Zinssatz geliehen. Du bist somit Gläubiger der Bank.

Durch den Vorgang der Auszahlung des Geldbetrags von deinem Konto zahlt dir die Bank einen Teil ihrer Schulden zurück.

Beispiel: wenn du vom Bankkonto einen Betrag von 100 EUR abhebst, begleicht die Bank deine Forderungen (als Gläubiger) in Höhe von 100 EUR.

Wo kann ich mein Bargeld sicher aufbewahren?

Wenn du über dein Geld sprichwörtlich „verfügen“ willst und direkten Zugriff haben möchtest, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Verwahrung im Schließfach (außerhalb des Bankensektors)
  • Aufbewahrung im Tresor
  • Versteck an einem sicheren Ort oder
  • unter der „Matratze“

Insbesondere in Griechenland (in 2010) und Zypern (in 2013) machten die Sparer die schmerzliche Erfahrung, dass die Banken während der dortigen Finanzkrise geschlossen waren. Für die Sparer wurde der Zugang zu Konten und Schließfächern eingeschränkt.

In Krisenzeiten sind Bargeld-Abhebungen entweder nicht möglich oder auf eine bestimmte Auszahlungssumme begrenzt. Im Ernstfall kommst du auch nicht an deine Wertgegenstände in deinem Bankschließfach. Daher solltest du dein Bargeld lieber in einem Schließfach eines privaten, bankenunabhängigen Anbieters verwahren.

Somit wird das reine Sparen auf dem Konto immer mehr zum Auslaufmodell und ist heute keine Option mehr. Es sind aber mehrere Gründe, warum es keinen Sinn mehr macht, dein hart erarbeitetes Geld auf dem Bankkonto zu bunkern:

  • 0 % Verzinsung (nach Abzug der Inflation sogar ein Verlust-Geschäft)
  • du bist Gläubiger der Bank, ergo: das Geld gehört nicht dir
  • du haftest für die Bank, wenn sie in Not gerät
  • Gefahr der Kontenschließung bzw. Einführung einer Obergrenze für Bargeldabhebungen

Insbesondere wenn in Zukunft Negativ-Zinsen für Bank-Guthaben eingeführt werden oder – wie bereits in Griechenland oder Zypern geschehen – eine Obergrenze für Bargeld- Abhebungen eingeführt wird, überwiegen die Nachteile die Vorteile.

Aus diesen Gründen solltest du dir genau überlegen, wieviel Geld du wirklich auf der Bank lässt: egal, ob auf dem Sparbuch, als Festgeld oder Termingeld.

Ich finde:

Du solltest nur so viel Geld auf dem Konto lassen, welches du für dein tägliches Leben benötigst, um die Ausgaben für:

  • Miete
  • Lebensmittel
  • dein Auto
  • Kreditverträge und
  • sonstige laufende Kosten
  • etc.

bezahlen zu können.

Denn bereits heute wird es immer schwieriger, sich Guthaben in größerem Umfang ausbezahlen zu lassen.

Vielleicht hast du auch schon mal eine größere Summe von deinem Konto abheben wollen?

Bei manchen Banken muss die Auszahlung größerer Beträge (z. B. über 5.000 EUR) bis zu 3 Werktage vorher angemeldet werden, ehe du diese Summen in bar erhälst.

Hast du es auch schon mal erlebt, dass dich die Bank-Angestellten vor der Bargeld-Auszahlung erstmal mit vielen Fragen löchern bzw. dich verunsichern wollen:

  • Was machst du mit deinem Geld?
  • Willst du das Geld nicht lieber sparen und auf dem Konto lassen?
  • Ist das Geld nicht bei der Bank „sicherer“?
  • Auf dem Konto ist das Geld vor Diebstahl geschützt.
  • Bei Abhebungen über […] EUR muss erst der Vorstand / ein anderes Gremium der Bank entscheiden.
  • usw.

Das macht natürlich auch sehr viel Sinn, wenn du dir stets vor Augen führst, dass du der Bank dein Geld zu einem sehr günstigen Zins geliehen hast und somit deine Ersparnisse im juristischen Sinn nicht mehr dir gehören, sondern: der Bank.

Insofern hat die Bank natürlich ein primäres Interesse daran, dass „deine“ Ersparnisse bei ihr „sicher“ aufbewahrt werden.

Denn: was wäre, wenn alle Gläubiger oder Sparer! auf die Idee kämen, ihre Rücklagen bei der Bank einzufordern?

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